European Wolf Newsletter Europäische Untergruppe der IUCN Wolf Specialist Group
Ausgabe 3 April 96
| Inhalt | |
| Vorwort (von Christoph Promberger) |
|
| Herdenschutzhunde (von Ovidiu Ionescu) |
|
| Bücher, Broschüren und Infoblätter Neueste europäische Wolf-Ressourcen |
|
| Nachrichten aus verschiedenen Ländern |
Projekte aus verschiedenen Ländern |
| Deutschland Wolf Management-Plan für Brandenburg veröffentlicht Estland Europa Frankreich Japan Großes Symposium über Fleischfresser im November Kroatien Erste Schadenersatzzahlung geleistet: Es sind Probleme zu erwarten Österreich Erster Wolf seit 1973 Rußland Wilderei von Huftieren ist die Hauptbedrohung der Wölfe Russisch Karelia Rückgang der Wolfspopulation |
Frankreich Die Hilfe von Freiwilligen Polen Rumänien Slowakei Slowenien |
Vorwort
von Christoph
Promberger
Liebe Wolfsfreunde,
der Winter ist vorüber und damit auch die Jagdsaison, die die Hauptbedrohung für Wölfe in Europa darstelt. Viele Wölfe wurden in den vergangenen Monaten geschossen, doch dieses Frühjahr werden wieder neue geboren und hoffentlich die Verluste mehr als ausgleichen. Zu dieser Ausgabe erhielt ich zahlreiche Artikel aus Rußland, und es war interessant zu hören, wie die Dinge im Osten in diesen turbulenten Zeiten laufen. Die Wolfszahlen scheinen sich seit dem Zusammenbruch des kommunistischen Regimes in vielen Gebieten erhöht zu haben, da das staatliche Regulierungssystem mit seinen Kopfgeldern nicht länger existiert. Doch nun scheint es, daß die Wolfspopulationen aufgrund eines dramatischen Rückgangs der Huftierbestände vom Aussterben bedroht werden. Es sieht so aus als hätten Wilderer in einigen Gegenden beinahe komplette Huftierpopulationen ausgelöscht. Diese Berichte hört man nicht nur aus Rußland, sondern auch aus der Slovakei und bis zu einem gewissen Grad auch aus Rumänien. Als Resultat des Rückgangs der Nahrungsressourcen könnten sich die Wölfe nun auf leichte Beute verlegen und der Schaden an Nutzvieh könnte ansteigen. Dies wiederum würde zur Folge haben, daß die Verfolgung von Wölfen wieder zunimmt. Hier wird deutlich, wie weit wir noch von einer Koexistenz entfernt sind. Und daß im Wolfsschutz die menschliche Ausbreitung der Faktor ist, der alle Bemühungen behindert.
WWF International hat nun eine große Initiative für Fleischfresser gestartet. Es besteht eine gute Chance, die laufenden Projekte und Bemühungen zu verbinden und zu koordinieren. Ich glaube daß nur eine solche Vorgehensweise uns den bitter nötigen Durchbruch im Wolfsschutz Europas bringen kann. Es ist ein gutes Zeichen, daß fast jeder daran interessiert ist, dieser Initiative beizutreten. Gemeinsam können wir mehr erreichen.
Wie immer vielen Dank an Europe Conservation France für die finazielle und logistische Unterstützung, an Barbara Willis fürs Korrigieren unseres Englischs und an Andreas Zedrosser für seine organisatorische Hilfe.
Christoph Promberger
Der Wolf war über die Jahrhunderte hinweg der Hauptbeutegreifer von Nutzvieh. Vor langer Zeit züchteten daher Schäfer eine spezielle Hunderasse, um ihre Herden zu schützen. Gruppen von Schäfern und Herdenschutzhunden begleiteten ihre Schafs- und Ziegenherden in die Berge, bis dieser Brauch durch das Verschwinden des Wolfes in Vergessenheit geriet. Das Verhalten von Herdenschutzhunden unterscheidet sich von allen anderen Hunderassen und sie sollten nicht mit Schäferhunden verwechselt werden, die das Vieh auf Kommando des Schäfers zusammentreiben. Herdenschutzhunde leben zusammen mit der Herde und Stören die Schafe und Ziegen nicht. Herdenschutzhunde müssen im Alter von 8 bis 14 Wochen "ausgebildet" werden, indem man sie zusammen mit dem Nutzvieh aufwachsen läßt. Nach und nach stellen sie sozialen Kontakt her und werden zu einem Herdenmitglied. Herdenschutzhunde werden nach folgenden Kriterien selektiert: sie müssen a) verläßlich gut mit Vieh auskommen, b) aufmerksam sein und c) die Herde beschützen, wann immer sich ein Beutegreifer zeigt. Kämpfe zwischen Herdenschutzhunden und Wölfen sind selten. Statt dessen behandeln sich die Wölfe und Hunde so, als wären sie die gleiche Spezies. Üblicherweise brechen Wölfe ihren Jagdablauf ab, sobald sie von den Hunden entdeckt werden und beginnen mit sozialer Begrüßung, Imponiergehabe, heftiges Bellen und manchmal Aggressivität. Herdenschutzhunde können einen entscheidenden Teil einer funktionellen Herdenschutzstrategie ausmachen, die außerdem Nachtweiden, elektrische Zäune, Wachgänge von Schäfern etc. umfasst. Den Einsatz von Herdenschutzhunden sollte man in ganz Europa wiederaufleben lassen. Unsere Gesellschaft in daran interessiert, über dieses Thema von anderen europäischen Ländern zu hören, um ein europäisches Netzwerk aufzubauen.
(Günther Bloch, Gesellschaft zum Schutz der Wölfe, Von-Goltsteinstr. 1, 53902 Bad Münstereifel, Deutschland)
Deutschland
Wolf-Management-Plan
für Brandenburg veröffentlicht
Anderthalb Jahre nachdem der erste europäische Wolf-Management-Plan fertiggestellt wurde, hat das Umweltministerium in Brandenburg, Ost-Deutschland, nun endlich den Plan veröffentlicht. Der Grund für die lange Verzögerung waren Probleme mit anderen Spezies wie Kormoranen, Raben und Gänsen, die Schaden an den Fischgründen und der Ernte anrichteten. Diese Spezies dominierten die öffentliche Diskussion und das Ministerium wollte daher nicht noch ein weiteres Schlachtfeld eröffnen, indem es den Wolf Management Plan veröffentlicht. Aufgrund der steigenden Anzahl Wölfe in Westpolen und den zunehmenden Wolfsichtungen in Ostdeutschland in den vergangenen 15 Jahren wurde der Management-Plan ins Leben gerufen, um bereits die Konzepte fertig zu haben, bevor sich die ersten Rudel ansiedeln. Der Plan selbst wurde von der Wildbiologischen Gemeinschaft München ausgearbeitet und umfaßt präzise Angaben zu Vieh-Schutzmaßnahmen, Schadensregelung und Überwachung von Wölfen. Er erfordert keine Gebiete mit verschiedenen Management-Zielen, aber ein flexibles Management, das sich an die individuell an die Schadenssituationen anpaßt. Die Organisation der Durchführung des Plans ist neu in der deutschen Geschichte: erstmals ist geplant, die Zuständigkeit in die Hände einer außerstaatlichen Organisation zu geben. Dies sollte höhere Flexibilität sicherstellen und die Möglichkeit bieten, professionelles Personal mit spezieller Ausbildung im Wolf-Management einzusetzen. Öffentlichkeitsarbeit ist eine weitere große Aufgabe des Plans. Eine gedruckte Kopie ist nun bei der Wildbiologischen Gemeinschaft München in deutscher Sprache erhältlich (30 DM). Der Plan wird ins Englische übersetzt werden. Die nächste Aufgabe wird sein, nach Finanzierungsmöglichkeiten zur Einführung des Plans zu suchen.
(Christoph Promberger und Doris Hofer, Wildbiologische Gemeinschaft München, Linderhof 2, 82488 Ettal, Deutschland)
Estland
Wölfe stellen
einen Streitpunkt dar
Örtliche Jäger und Wildlife Manager erwarten, daß Wölfe zu einem immer größeren Problem in Estland werden. Das Augenmerk liegt auf drei Aspekten: das Auftreten von Wolf/Hund - Mischlingen, dem Anstieg von Schäden an Nutzvieh und der Abnahme von wildlebenden Huftieren. Nachdem im Frühjahr 1995 ein Wurf Wolf/Hund-Hybriden entdeckt wurde, stellt sich die Frage, ob ein Anstieg der Wolfszahlen auch zu einem Anstieg der Mischlinge führen würde. Obwohl es keine Auswertungen über Schäden an Nutzvieh gibt, da es kein Schadensausgleichssystem gibt, ist doch in den letzten Jahren ein Anstieg der Versuche von Wölfen, nachts in Bauernhöfe einzudringen zu verzeichnen. Wolfskot-Analysen haben ergeben, daß mehr als 90% der Beute aus Huf- und Nagetieren besteht. Jäger und Wildlife Manager glauben, daß die ansteigende Wolfspopulation (1995 schätzungsweise um die 750 Wölfe) der Grund für die schwindende Huftierpopulation ist. Die Regierung von Estland entschloß sich Wolfsjäger zu unterstützen, indem sie die nötigen Mittel und Ausrüstung im Wert von insgesamt umgerechnet US $22.000 (ca. 35.000 DM) zur Verfügung stellt. Jagdvereine haben nun Wolf-Jagdeinheiten organisiert, und weitere werden in der Zukunft hinzukommen.
(Ilmar Rootsi, Estonian Naturalists Society, EPA-37, Eerika, EE-2484-Tartu-4)
Europa
Trailmaster
Infrarot-Überwachungssystem
Trailmaster ist ein Überwachungssystem, das durch seine Genauigkeit und Verläßlichkeit besticht. Es wurde bereits erfolgreich eingesetzt, um Wölfe und Panther in Nordamerika, Tiger in Indien und Waldelefanten in Westafrika zu überwachen. Ein Ereignis wird jedesmal aufgezeichnet, wenn ein Tier den unsichtbaren Infrarotstrahl des Geräts unterbricht. Der Strahl selbst ist für Tiere nicht sichtbar. Datum und Uhrzeit (bis auf die Minute) jedes Ereignisses werden jedesmal, wenn der Strahl unterbrochen wird, aufgezeichnet und im Trailmaster gespeichert. Bis zu 1.000 Ereignisse können gespeichert und durch einen einzigen Knopf an der Vorderseite des Empfängers leicht wieder abgerufen und in einen Desktop-Computer übermittelt werden. Trailmaster kann mit einer wetterfesten, vollautomatischen 35mm-Autofocus-Kamera verbunden werden. Eine weitere Möglichkeit ist, ihn zu einer Videokamera in einem wetterfesten Gehäuse zu verbinden. Der Trailmaster wird dann zu einem Werkzeug, um ein bestimmtes zu überwachendes Tier aufspüren. Es ist nun erstmals in Europa erhältlich.
(Vincent Vighnon, OGE, 42 Rue Gambetta, 77400 Lagny-sur-Marrne, Frankreich)
Frankreich
Wolfsbeobachtungen
in den Maritime Alpen
Untersuchungen in den französischen Maritime-Alpen wurden seit 1992-93 vom wissenschaftlichen Dienst des Mercantour Nationalparks durchgeführt. Die Tätigkeiten konzentrieren darauf, Zeichen von Wolfspräsenz zu sammeln (Spuren, Kot, Wolfsrisse) und auf Kotanalyse, um Aufschluß über die Zusammenstellung der Nahrung zu erhalten. Es existieren mindestens 12 Wölfe in zwei verschiedenen Rudeln. Das Hauptrudel bestand aus jeweils mindestens 2, 6, 8 und 7 Wölfen in den Jahren 1992/93, 1993/94, 1994/95 und 1995/96. Im Frühjahr 1995 gab es in beiden Rudeln Fortpflanzung. Zwei Wölfe wurden tot aufgefunden: eine zwei Jahre alte Wölfin wurde im April überfahren und ein 3 bis 4 Jahre alter Rüde wurde im September gewildert. Das von den Wölfen beanspruchte Territorium beträgt mindestens 470 km². Die Ernährung der Wölfe besteht zum größten Teil aus Mufflons und Gemsen. Dennoch wurden in den während der Weidezeit gesammelten Kotproben regelmäßig Spuren von Haustieren gefunden. 1995 wurden die Wölfe für 95 Angriffe verantwortlich gemacht, die den Tod von 408 Schafen und Ziegen nach sich zogen. Trotz eines rapiden Anstiegs der Schaden-Kompensationszahlungen und dem Angebot diverser Schutzmethoden (Hütten für die Schäfer, elektrische Zäune, Herdenschutzhunde) gibt es noch immer einen heftigen Widerstand seitens der Schäfer und Landwirtschaftsverbände und außerdem von einigen Jägern, die die Wölfe wieder ausgerottet sehen wollen. Es werden regelmäßige Treffen organisiert, um Lösungen betreffs der Präsenz dieses Raubtiers zu finden. Die Arbeit, die an den Wölfen in den Maritime Alpen durchgeführt wird, wird die Zukunft der Spezies ringsum in den Alpen und dem Rest Frankreichs beeinflussen.
(B. Lequette, M.-L. Poulle, T. Dahier und T. Houard, Parc national du Mercantour, 23 rue dItalie, B.P. 316, 06006 Nice Cedex, Frankreich)
Japan
Großes Symposium
über Fleischfresser im November
Das zweite internationale Symposium über die "Koexistenz von großen Beutegreifern und Menschen" wird vom 19. bis 23. November 1996 in Omiya, Japan abgehalten. Es soll neueste Informationen über den Status von mittleren und großen Fleischfressern von jeden Kontinent der Erde liefern. Damit werden die Informationen vom ersten Symposium im Oktober 1994 in Polen auf den neuesten Stand gebracht. Neben dem jährlichen Treffer der IUCN Wolf Specialist Group werden auch andere Spezialistengruppen der IUCN Treffen abhalten. For weitere Informationen wenden Sie sich an Ecosystem Conservation Society Japan, #305 Ando Bldg. 2-11-9 Ikebukuro, Toshima-ku, Tokyo 171, Japan, Fax +81-3-5951-2974.
Kroatien
Erste
Schadenersatzzahlung geleistet: Es sind Probleme zu erwarten
Seit Verordnung des Wolfsschutzes im Mai 1995, muß Kroatien Schäden an Nutzvieh handhaben. Bis jetzt sind mindestens vier Forderungen für Ausgleichszahlungen eingegangen und eine wurde angenommen. Das staatliche Direktorium für Naturschutz zahlte 1.500 DM für ein getötetes Kalb. Die Croatian Wolf Group entwickelt nun einen umfassenden Leitfaden, der die Voraussetzungen für Ausgleichszahlungen beschreibt, z.B. wie man einen Wolfsriß bestimmt, wie ein Schaden zu melden und zu dokumentieren ist sowie eine Auflistung des Mindestmaßes an Schutzeinrichtungen für Nutzvieh. Im Januar 1996 wurde eine Gruppe von Feld-"Experten" geschult. Es muß bald eine zusätzliche Quelle für Kompensationszahlungen gefunden werden um sicherzustellen, daß der Staat dem Wolf nicht wieder den Schutzstatus entzieht. Jäger versuchen, Kompensationszahlungen für "Schäden" an Jagdwild zu fordern. Es wird eine ausführliche Ausildungskampagne erfordern um ihnen klarzumachen, daß wildlebende Huftiere die natürliche Nahrung von Wölfen sind und daß die Wölfe sie nicht ausrotten werden.
(Duro Huber, Biology Department, Veterinary Faculty, Heinzelova 55, HR-10000 Zagreb)
Österreich
Erster Wolf seit
1973
In Nordösterreich wurde am 30. Januar 1996 ein 46 kg schwerer männlicher Wolf getötet. Ein Jäger aus Oberösterreich verwechselte den Wolf in der Nacht angeblich mit einem großen Fuchs und erschoß ihn. Die örtlichen Behören beschlagnahmten den Körper und vernichteten ihn unverzüglich. Nur das Gehirn wurde für einen Tollwut-Test aufbewahrt, der negativ ausfiel. Da Wölfe in Österreich vollen Schutz genießen, reichte die Tierrechtsorganisation eine Beschwerde gegen den Jäger ein und der Jagdverband kündigte an, Maßnahmen gegen die verantwortliche Person einzuleiten. Der Wolf war höchstwarscheinlich nicht aus Gefangenschaft geflohen und ist möglicherweise aus der Tschechischen Republik eingewandert. In Österreich war das Auftauchen eines Wolfs zuletzt im Jahre 1973 beobachtet worden.
(Andreas Zedrosser, WWF Österreich, Ottakringer Str. 114-116, 1160 Wien, Österreich)
Rußland
Wilderei von
Huftieren ist die Hauptbedrohung der Wölfe
Bis in die frühen 1990er Jahre, bejagten die Wölfe die in hoher Dichte aufgetretenen wildlebenden Huftiere. Seit dem hat die Verschwendung natürlicher Ressourcen extrem zugenommen. Elch-, Wildschwein- und Hirschpopulationen sind immer wieder durch Wilderei dezimiert worden. Die Beutegreifer fraßen dann von den Kadavern, die von der "Jagd" der Wilderer übrigblieben. Jetzt sind sogar diese Ressourcen beinahe aufgebraucht und der Wolf hat sich darauf verlegt, sich an Schlachtabfällen, Friedhöfen und Farmen durchzufressen. Dies wird einen Anstieg der Viehverluste nach sich ziehen und als eine Folge davon werden die Bemühungen, den Wolf auszurotten anwachsen. Unglücklicherweise wurden Beobachtungen von Wolfspopulationen und die Erforschung der Wolfsökologie in Rußland stark reduziert, so daß über die Trends in den Wolfspopulationen ein nur vages Bild existiert.
(Dimitrii I. Bibikov, Institute of Ecological and Evolutionary Problems, Leniskii prospect 33, Moscow, 117071)
Russisch
Karelia
Rückgang der
Wolfspopulation
In der ersten Hälfte dieses Jahrhunderts galten Wölfe praktisch als ausgestorben in den abgelegenen Regionen in der Taiga des nördlichen Karelia. In den späten 1950er Jahren begann sich die Wolfspopulation wieder zu erholen und bis Mitte der 1970er Jahre bewohnten Wölfe schließlich wieder alle Teile des nordwestlichen Rußlands. Man glaubt, daß dies auf die stabilen Nahrungsressourcen dieser Zeit zurückzuführen ist. Schätzungsweise 650 Wölfe lebten damals im nördlichen Karelia. In den frühen 1980er Jahren begannen die Elch-Populationen (die hier die Hauptbeute für Wölfe darstellen) aus zahlreichen Gründen abzunehmen: Überjagung / Wilderei, Bejagung und Wandlung des Lebensraumes wurden als Hauptgründe angenommen. Aus diesem Grunde begann die Wolfspopulation zu schrumpfen. In den späten 1980er Jahren beschleunigte die zunehmende Verfolgung durch Menschen den Rückgang der Wölfe und ihre Anzahl wurde nun auf eine Zahl zwischen 430 und 450 Individuen geschätzt. In Karelia ist das Bejagen von Wölfen das ganze Jahr hindurch erlaubt und das Kopfgeld fur einen erlegten Wolf ist eine kostenlose Erlaubnis, einen Elch im Folgejahr zu schießen. In den letzten zwei Jahren wurden 172 und 173 Wölfe getötet.
(P.I. Danilov, Karelian Research Center RAN, Pushkinskay 11, Petrozavodsk, Rußland; M.J. Syroezhin, Petrozavodsk University, Leniena 33, Petrozavodsk, Rußland)
Frankreich
Die Hilfe Freiwilliger
Europe Conservation France hat ein Freiwilligen-Programm in Rumänien entwickelt, um das Forschungsprojekt Ovidiu Ionescu Icas Bucharest, ausgeführt von Christoph Promberger (Wildbiologische Gemeinschaft München), zu unterstützen. Teilnehmer begleiten die Wissenschaftler mit verschiedenen Tätigkeiten ins freie Feld. Einer dieser modernen Abenteurer berichtete unserer außerstaatlichen Organisation nach seiner Rückkehr aus Rumänien über die Telemetrie-Arbeit, die langen aber spannenden Stunden auf der Fährte der Wölfe, die Verhaltensbeobachtungen am Wolfsrudel und die Genugtuung, effizient für den Schutz dieser Spezies gearbeitet zu haben. Es war eine großartige Gelegenheit für ihn, durch diese unvergeßliche Erfahrung den Forschungsalltag und Wölfe generell besser kennenzulernen. Wir hoffen, daß viele andere diesem enthusiastischen jungen Mann folgen, denn wir wissen, daß die Mithilfe von Freiwilligen für den Erfolg des Projekts unentbehrlich ist.
Polen
Wolfsökologie im
Urwald von Bialowieza
Das Projekt befindet sich nun in seiner Endphase, da es nur noch bis Juni 1996 finanziell unterstützt wird. Zusätzliche Finanzierungsmöglichkeiten sind noch immer fraglich. Bis Februar 1996 würden vier Wölfe mit Funkhalsbändern versehen: jeweils zwei Individuen in zwei verschiedenen Rudeln. Die Methode des Lebendfangs mittels Netzen ist sehr effektiv. Mit dieser Methode konnten wir sogar einen bestimmten Wolf wieder fangen, der ein defektes Funkhalsband trug, und es ersetzen. Die Territorien der zwei überwachten Rudel haben eine Größe von 250 und 200 km² und überlappen zu einem gewissen Grad. Die Unterschiede in der Aktivität der beiden Rudel sind interessant: Das Rudel, das den Bialowieza Nationalpark als Teil seines Territoriums mit einschließt ist in den Grenzen des Parks oft tagaktiv. Das Rudel, das den bewirtschafteten Teil des Waldes (mit vielen von Menschen verursachten Störungen) bewohnt, ist ausschließlich nachtaktiv. Unsere momentane Arbeit konzentriert sich auf Schätzungen der Beuteschlag-Quoten von Wölfen an Huftieren. Wir untersuchen außerdem die Unterschiede der Systematiken in der Landschaftsnutzung durch Wölfe des gleichen Rudels aber verschiedenen Alters oder sozialen Ranges.
(H. Okarma und W. Jedrzejewski, Mammal Research Institute, Polish Academy of Sciences, PL-17-230 Bialowieza)
Slowakei
Wolfsökologie und
Herdenschutzhunde in den slowakischen Karpaten
Im Nationalpark Niedere Tatra
(inklusive Pufferzone ca. 2.000 km² groß) haben wir am 14.
September 1995 eine 7jährige Wölfin (42 kg; fortpflanzendes
Weibchen des Rudels) gefangen und mit einem Funkhalsband
ausgestattet. Am 19. September 1995 verfing sich ein weiblicher
Luchs in einer der Fallen und wurde daher ebenfalls mit einem
Funkhalsband versehen. Der Luchs wurde am 28. Dezember 1995
erschossen. Anhand von hinterlassenen Spuren schätzten wir im
Spätherbst 1995, daß sich sechs erwachsene Wölfe im Rudel
befinden mußten. Drei von ihnen wurden im Dezember 1995
erschossen. Da sich die drei verbleibenden Wölfe im Winter 1995
hauptsächlich von Rothirschen ernährt haben, steht ihnen eine
neue Bedrohung bevor: die rapide Abnahme der Reh-, Rothirsch- und
Wildschwein-Zahlen. Nach einem Höchststand in den Jahren 1990
und 1991 werden die Huftierbestände nun rasch durch intensive
Bejagung und Wilderei dezimiert. Wölfe dürfen von einer extrem
hohen (und ständig wachsenden) Anzahl Jäger vom 15. September
bis 1. Mai uneingeschränkt bejagt werden. Infolgedessen wird die
Ranzzeit der Wölfe durch die Verfolgung gestört. Es gibt keine
Informationen über die Anzahl reproduzierender Paare in der
Slowakei, um die Lebensfähigkeit der Wolfspopulation
einschätzen zu können.
Kotanalysen und direkte Sichtungen zeigen, daß Wölfe auch
Nutzvieh reißen. Deshalb wurde dem Schutz von Schafen und Ziegen
höchste Priorität zugeordnet. Wir kauften in Südpolen zwei
sieben Wochen alte Herdenschutzhunde-Welpen (Tatra Gebirgshunde)
und brachten sie in ein Schafscamp in der Niederen Tatra. Wir
stellten den Schäfern die Welpen, ihre regelmäßigen
Schutzimpfungen und das Hundefutter kostenlos zur Verfügung.
Nach ihrer Sozialisierung im Winter (der Zeit, in der die Schafe
lammen) werden die Hunde im Frühjahr 1996 das erste Mal in die
Berge ziehen, um ihre Herde gegen Wölfe und Luchse zu
verteidigen.
(Guenther Bloch, Gesellschaft zum Schutz der Wölfe, Von-Goltstein-Str. 1, 53902 Bad Muenstereifel, Slavomir Findo, und NAPANT, Banska Bystrica, Slowakei)
Slowenien
Wolfsausstellung
Seit 1990 stehen Wölfe in Slovenien unter vollem Schutz. Diese stellen die nördlichste Spitze der Dinaric Population dar und könnten der Ursprung für einwandernde Wölfe in den östlichen Alpen werden. Schätzungsweise 25 Tiere leben im Südwesten des Landes in den Bereichen Kocevsko und Notranjsko entlang der Grenze zu Kroatien. Die Anzahl der Wölfe ist in den letzten Jahren wieder angestiegen. Die Hauptbedrohung ist die Entwicklung der Waldgebiete. Um öffentliche Akzeptanz für den Wolfsschutz zu erreichen, wurde eine Ausstellung namens "Wölfe sind stellen keine Gefahr da, sie sind gefährdet" von der Verwaltung des Medved - Jagdbezirks und der Gesellschaft zum Aufbau des Kocevje Naturparks organisiert. Im Rahmen der Ausstellung wurde außerdem eine wissenschaftliche Zusammenstellung über Wölfe veröffentlicht (Herausgeber: M. Adamic, J. Cernac, D. Huber, W. Schroeder) und ein Vortrag über "Wölfe und Menschen" (Referent: C. Promberger, Wildbiologische Gemeinschaft München) gehalten. Das Ziel der Ausstellung war es, Öffentlichkeitsarbeit für den Wolf zu leisten und des weiteren für den Kocevje Naturpark mit dem Wolf als Aushängeschild zu werben. Wir glauben, daß geschützte Gebiete wie unser Park essentiell wichtig für das Überleben von Wölfen, Bären und Luchsen in Slovenien sind. Der Anstieg der Wolfspopulation zog auch großere Schäden an Nutzvieh, speziell Schafen, nach sich. Um die Ökologie des Wolfs und die Bedeutung von Wanderkorridoren in unserem Land besser zu verstehen, wäre ein Forschungsprojekt sehr hilfreich.
(Ciril Strumbelj, Medved Hunting District, Reska 35, Kocevje, Slovenia)
Portugal
Wolf conservation project
An EU-Life project is being conducted in Portugal by a team of three insitutions (Institute of Nature Conservation I.C.N., Grupo Lobo, and Life and Environment Insititute I.A.V.). The main objective is the achievement of reliable data about the Portugese wolves in order to establish a management plan for wolves in Portugal. The project includes studies about wolf ecology with special reference to the feeding ecology, predator-prey relationships and the use of space and time. A second important part of the project is the conservation of the natural prey of wolves through actions such as the improvement of habitat conditions and the reintroduction of wild ungulates in wolf areas. Through this we intend to reduce the impact on livestock by offering a wider range of prey species. A third part of the project includes the monitoring of the status and distribution of wolves in Portugal with special reference to the sites of European Community interest (Habitats Directive).
(P. Carmo, I.C.N., F. Fonseca, Grupo Lobo, J. Vingada and A. Ferreira, I.A.V., project coordination: Instituto da Conservacio da Natureja, R. Filipe Folque nr. 46, 1, P-1000 Lisboa)
Rumänien
Ökologie und
Interaktion mit Menschen in den Karpaten
In der ersten intensiven Winterzeit des Projektes konnten eine Fülle von Daten zusammengetragen werden. Vier Wölfe aus drei verschiedenen Rudeln wurden im Herbst 1995 gefangen und mit Sendern ausgestattet: ein männlicher und ein weiblicher Welpe, ein männlicher Jährling und ein vier bis fünf Jahre alter Rüde. Zusammen mit dem Wolf, der im März 1995 mit einem Sender ausgestattet wurde waren wir nun in der Lage, vier verschiedene Rudel zu überwachen. Insgesamt 369 Ortungen wurden vermerkt. Im Frühwinter umfaßten die Rudel 4, 7-10, 6-8 und 5 Wölfe. Bejagung reduzierte die Rudelgröße den Winter hindurch: das größte Rudel verlor drei erwachsene Wölfe, unter ihnen möglicherweise beide Alphatiere. Der vierte erwachsene Wolf in der Gruppe überlebte nur, weil der Jäger das Sendehalsband um seinem Hals sah. Der mit einem Halsband ausgestattete männliche Welpe aus dem vier Wölfe umfassenden Rudel wurde im Dezember erschossen und der andere, ein Weibchen, verließ das Rudel Anfang Januar und wanderte zu dem Nachbarrudel. Insgesamt fanden wir 15 Wolfskadaver (6 Welpen, 9 Jährlinge und Erwachsene), die von Jägern erlegt wurden und Reste von einem weiteren, unidentifizierbaren Wolfskadaver. Im frühen Winter überlebten nur wenige Welpen: zwei der überwachten Rudel hatten nur zwei Welpen, die anderen höchstens drei. Alle Welpen die wir beobachteten, fingen und als Kadaver bargen, waren in exzellenter Verfassung und wir glauben daß andere Gründe außer Nahrungsmangel für die niedrige Überlebensrate verantwortlich sind.
(Christoph Promberger, Munich Wildlife Society, Ovidiu Ionescu, Ion Munteanu, Doru Stancu - all I.C.A.S. Bucuresti, Sos. Stefanesti 128, RO-Bucharest and Annette Mertens, University of Rome)
Volk ne ogroza! Volk je ogrozen! (Wölfe sind nicht gefährlich! Sie sind gefährdet! In Slovakisch mit englischen Zusammenfassungen, angefertigt vom "Medved Hunting District, Reska 35. Kocevje" und der "Society for Kocevje Nature Park". 86 Seiten. Herausgeber: M. Adamic. Eine wissenschaftliche Sammlung von Artikeln über Wölfe aus verschiedenen Teilen Sloveniens und anderen Teilen Europas und über das Verhältnis von Wölfen und Menschen in verschiedenen Teilen der Erde.
Wolf oder Hund? (In Deutsch, produziert von den Jagdverbänden Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern). Ein Merkblatt speziell für ostdeutsche Jäger, das einen kurzen Überblick darüber gibt, warum die Präsenz des Wolfes im polnisch-deutschen Grenzgebiet zugenommen hat, über Wölfe in Europa und über die Probleme, Wolfspräsenz in der Gegend auszumachen. Ein klares und positives Bekenntnis der Jagdverbände dem Wolf gegenüber und ein Leitfaden für Jäger, um versehentliche Abschüsse von Wölfen als streunende Hunde zu vermeiden. Lediglich die Aussage, Wolfs- und Hundespuren wären leicht auseinanderzuhalten ist etwas irreführend. Ein positives Signal von ostdeutschen Jägern.
Diese Seite wird von Oliver Matla
unterhalten.
Die Inhalte entstammen dem European Wolf Newsletter, der
von dem European Wolf Network zum Druck aufbereitet und mit
Hilfe von Europe Conservation France veröffentlicht
wird.